Wunderwerk Baum - Kinder waren für fünf Tage Künstler

 

Das Wunderwerk Baum brachte in Herbrechtingen deutsche und geflüchtete Kinder zusammen.
© Foto: privat

Herbrechtingen / Manfred Allenhöfer 15.09.2019

Eine Woche lang befassten sich deutsche und geflüchtete Kinder mit dem Baum als Wunderwerk der Natur. Birgit Hietkamp gab die Anleitungen.

Das „Wunderwerk Baum“ führte in den Sommerferien an fünf Tagen im Jugendhaus und im Park beim Schulzentrum Kinder unterschiedlicher Nationen zusammen. Fast ein Jahr lang hatte die Heidenheimer Kunsttherapeutin Birgit Hietkamp diese kunstpädagogische Veranstaltung vorbereitet, die Materialien geordert und die Tage durchgeplant. Um hinterher dann ganz offen zu bekennen: „Ich wusste eigentlich gar nicht, was mich da alles erwartet hat“.

15 Kinder machten mit

Was insofern auch nicht ganz erstaunlich war, weil Hietkamps ausdrückliche Devise für die 15 Kinder im Alter zwischen sieben und elf Jahren lautete: „Werdet kreativ. Und gestaltet, was Euch einfällt.“ Fester Mittelpunkt des Geschehens war freilich der Baum. Diesem näherte man sich in Erzählungen und Erläuterungen sowie dann physisch im Schulpark an. Seine Eigenheiten und Geheimnissen spürte man malend und zeichnend, mit der Herstellung von Papier oder Rindenfrottagen nach. Verzeichnet wurde alles in einem Tagebuch.

Acht Stunden Kunst am Tag

Ermöglicht wurde die Woche durch das Programm „Kultur macht stark“ des Bundesbildungsministeriums; unterstützt wurde es vor Ort vom Landratsamt, von der Eva, die das Herbrechtinger Jugendhaus betreibt, und der Stadt Herbrechtingen, von Pädagogen der örtlichen Fachschule und vom Freundeskreis Asyl.

„Fünf Tage hintereinander stundenlang Kunst – das war schon heftig“, meint Hietkamp und zieht ein durchweg positives Fazit: „Die Kinder waren immer voll bei der Sache“. Langeweile sei keine aufgekommen.

Eltern schauten sich die Arbeiten an

Und was die Kinder an diesen fünf Tagen alles geschaffen haben, in eigenen Bildern, teils auf selbst hergestellten Rahmen, oder auch auf den Bäumen des Schulparks, das wurde den Eltern und weiteren Interessenten am Ende vor Ort vorgestellt. Hietkamp schwärmt: „Die Bäume beispielsweise haben die Kinder mal mit herrlich bunten Farbfeldern bemalt, mal mit gegenständlichen Motiven, etwa Vögeln oder Bienen.“ Das habe allen großen Spaß gemacht und zu „tollen Ergebnissen“ geführt. Jetzt sei sie mit den Kindern gespannt, wie die Zeit für Verwitterung des Geschaffenen sorge.

Freude in den Augen

Redet man im Kurs mit einem achtjährigen Mädchen aus Syrien, das schon sehr gut deutsch sprechen kann, leuchtet die Freude aus deren Augen, als sie ihr Bild zeigt, das einen großen Baum mit lebendiger Tierwelt zeigt. Und für den siebenjährigen Jungen, der auf der anderen Tischseite sitzt, gehört zu einer Baumgruppe auch ein Traktor – und so zeigt es auch sein Bild. „Die Kinder öffnen sich sehr beim gemeinsamen Gestalten“, so die Erfahrung der Kunsttherapeutin.

Man habe über viele Erfahrungen sprechen können – freilich nicht über Flucht: „Was passiert, wenn die Kinder traumatisierende Situationen erlebt haben? Was kommt dann womöglich alles wieder hoch?“ Das habe sie gerade aufgrund ihrer Ausbildung vermeiden wollen.

Gerne ein weiteres Mal

Rund die Hälfte der teilnehmenden Kinder freilich waren Deutsche. Auch hier waren Kinder wie Eltern „begeistert“ vom integrativen Programm – und wollen das Projekt in den Sommerferien nächstes Jahr gerne wiederholen. Birgit Hietkamp wäre dazu gerne bereit.

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